Seitdem ich Kathlen kenne, beginnt der Morgen für mich bunt. Hellgrün oder auch rötlich, gelb und auch mal hellbraun. Genau das sind die Farben, die der gesunde Superjuice, den ich jeden Morgen trinke, abwechselnd aufweist. Sellerie, Ingwer, Orange und manchmal auch rote Beete stehen selbstverständlich immer auf meiner Einkaufsliste –  dank Kathlen. Wenn wir uns sehen oder lange Sprachnachrichten hin und herschicken, landen wir irgendwann auch immer bei diesem Thema: Ernährung. Denn diese spielt im Leben von Kathlen eine große Rolle. Genauer gesagt: Ernährung und ihre persönliche Gesundheit hat das Leben von Kathlen verändert – privat wie auch beruflich – und ist der Grund dafür, dass Kathlen jetzt beruflich neue Wege geht.

Irgendwas mit Werbung 

Aber gehen wir nochmal zurück auf Anfang. Nach dem Abitur absolvierte Kathlen zunächst eine Ausbildung zur Werbekauffrau. Einen richtigen Traumberuf gab es nicht. Während andere davon träumten, Tierärztin oder Feuerwehrfrau zu werden, hatte Kathlen kein konkretes berufliches Ziel vor Augen. Irgendwas Kreatives, vielleicht im Marketing. Sie absolvierte schließlich eine Ausbildung in München zur Werbekauffrau und arbeitete anschließend mehrere Jahre in einer Werbeagentur. Alles dort war hip und cool – so wie man sich eben das Klischee einer Agentur vorstellt. 

“Irgendwann war ich in meinem Job sehr unzufrieden. Ich habe gemerkt, dass ich etwas mache, was mir eher Energie raubt, anstatt dass es mir Energie gibt. (…) Und irgendwann hat es mich so gelangweilt, dass ich gedacht habe: Ich drehe durch! Ich hatte einen Boreout. Ich habe mich wirklich gelangweilt. Meine Kolleg*innen waren toll, inhaltlich war alles prima. Aber ich habe mir irgendwann die Frage gestellt: Ist das jetzt alles in meinem Berufsleben?”

– Kathlen

Vom BoreOut zur beruflichen Veränderung 

Eine berufliche Veränderung musste her. Kathlen bewarb sich bei verschiedenen Unternehmen. Doch bei jedem Bewerbungsgespräch spürte sie, dass auch dieser Job nicht der war, nach dem sie suchte. Zu deutlich hörte sie diese innere Stimme, die sagte: Nein, das passt einfach nicht! Und zu stark war auch das Bauchgefühl, dass es da draußen in der Arbeitswelt noch einen anderen Platz für sie gab. 

Während Kathlen von ihrer Jobsuche berichtet, denke ich an meine eigene Job-Odyssee zurück, denn lange Zeit erging es mir ähnlich. Diese Suche nach dem einen Job, der endlich passt. Diese Rast- – und letztendlich auch – Ratlosigkeit, weil man einfach nicht mehr weiter weiß. Und auch nicht, in welcher Branche man noch Ausschau halten soll. Aber weiter mit Kathlen’s Geschichte.

Bye, bye Agentur 

Dann kam das verlockende Jobangebot von einem großen Unternehmen: ansprechendes Gehalt, neue Aufgaben und Herausforderungen, mehr Verantwortung. Und vor allem Vorgesetzte, die daran interessiert waren, Kathlen zu fördern und neue Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Kathlen entschied sich für den Job. Es folgten ein Umzug nach Berlin und der Wechsel vom hippen Agenturleben hin zu einem Unternehmen mit hierarchischen Strukturen.

“Am Anfang hat es mir wirklich Spaß gemacht,” erklärt Kathlen. “Aber es gab auch einen sehr hohen Leistungsanspruch. Das Arbeiten dort war komplett anders. Ich war teilweise richtig überfordert. Wenn ich ehrlich bin, dann war ich auch sehr nah dran an einem Burnout.”

Arbeit über allem

Das Bild zeigt Kathlen Eisenmenger, Ernaehrungs- und MentalCoach, an eine Bruecke gelehnt im Interview mit True Good Things.

Nach Feierabend saß Kathlen oft noch spät abends zu Hause vor ihrem Laptop und erstellte Präsentationen oder bereitete Meetings für den nächsten Tag vor. Damals war das für sie ganz normal, denn auch die Kolleg*innen taten das. Je mehr Arbeit, desto besser. Irgendwann merkte Kathlen aber, dass das eben nicht normal war. Wenn sie nicht im Büro war oder Arbeit mit nach Hause nahm, saß sie meistens alleine auf der Couch und starrte die Decke an. Sie hatte keine Energie mehr, Freund*innen zu treffen oder etwas mit ihrer Familie zu unternehmen.

Ein weiteres Muster, das ich aus meinen eigenen beruflichen Erfahrungen kenne. In einigen Unternehmen, in denen ich gearbeitet habe, wurde der „Work Hard, Play Hard“-Berufsethos sehr ernst genommen, wobei “play hard” allerdings oft zu kurz kam. Denn oftmals gab es keinen Abstand zwischen Privatleben und Büro mehr und außerdem keine freie Zeit – denn diese wurde natürlich vorrangig in Arbeit und nicht in Freizeit als Ausgleich investiert.

“Ich hatte keine Gedanken mehr. Ich war einfach wo auch immer. (…) Diese Erfahrung war für mich wirklich krass. Ich hatte keinen Spaß mehr an gar nichts. Ich habe den Job einfach nur gemacht, weil ich wusste, der bringt mir wahnsinnig viel Geld.”

– Kathlen –

Raus aus dem Hamsterrad

An diesem Punkt in ihrer Karriere realisierte Kathlen, dass der Job, den sie gerade machte, sie einfach nicht erfüllte. Im Nachhinein betrachtet war natürlich nicht alles schlecht. Während dieser Zeit eignete sie sich viele Fähigkeiten an, wie zum Beispiel selbstbewusstes Auftreten, Projektplanung und Organisation.

“Aber zu diesem Zeitpunkt war es für mich einfach ein Höllentrip, den ich leider sieben Jahre lang durchgezogen habe,” erklärt Kathlen.

– Kathlen

Hinzukamen auch noch Veränderungen in der Unternehmenskultur. Infolge einer Umstrukturierung wurden neue Strategien implementiert. Die Kolleg*innen, die sie eingestellt hatten, verließen das Unternehmen. Bei den neuen Vorgesetzten fehlte die Wertschätzung für die Mitarbeitenden. Der Fokus lag auf den Zahlen, nicht den Menschen dahinter. Alles war anders und Kathlen fühlte sich einfach nicht mehr wohl. Ins Büro ging sie nur noch, weil sie musste.

“Ich bin dann schwanger geworden und das war der Ausstieg aus dem ganzen Hamsterrad. Ein wenig später habe ich auch die Diagnose meiner Autoimmunerkrankung bekommen – Colitis ulcerosa. Das war der Moment, wo ich aufwachte und alles hinterfragte. Meine eigene Gesundheit war nun der Fokus auch im Hinblick auf meine neue Aufgabe und Verantwortung als Mutter.” 

Von der Autoimmunerkrankung zum Traumberuf

Mit der Elternzeit kam die Wende. Die Lösung zur eigenen Gesundheit lag nicht in der Werbung oder im Marketing, sondern im Verstehen der Verdauungsprozesse im Körper und einer gesunden Ernährungsweise. 

Auf der Suche nach der Ursache suchte Kathlen zunächst verschiedene Spezialist*innen auf. Zur Linderung wurden ihr Tabletten und Kortison verschrieben, alternative Heilverfahren sowie eine andere Ernährungsweise allerdings nicht – auch auf vermehrtes Nachfragen hin nicht. Kathlen begann, sich nach anderen Wegen umzusehen. Sie wollte Antworten auf ihr Fragen und natürlich auch Linderung für ihre Beschwerden finden. Dabei entdeckte sie die Ernährungslehre der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) – Augenöffner und Gamechanger zugleich! Kathlen arbeitete sich immer mehr in das Thema Ernährung sowie in verwandte Themenbereiche ein und absolvierte schließlich eine Ausbildung zur ganzheitlichen Ernährungsberaterin. Das war nicht einfach nur ein neuer Weg raus aus der Erkrankung, sondern gleichzeitig auch der Beginn ihrer Berufung: anderen Menschen zu helfen, die unter ähnlichen Erkrankungen litten wie sie selbst.

Da Kathlen schnell merke, dass körperliche Beschwerden oft auch einen mentalen Ursprung haben, absolvierte sie zudem noch eine Ausbildung als Mental Coach – die perfekte Ergänzung zur Ernährungsberatung. Somit war der Traumberuf für ganzheitliche Coachings speziell für Menschen mit Darmproblemen gefunden.

“Das Thema Ernährung und Gesundheit ist seitdem so stark in meinem Leben verankert, dass ich es wirklich von morgens bis abends lebe. Und was gibt es Schöneres?“ 

– Kathlen –

Kathlens Augen leuchten, als sie mir das berichtet. Ich mag das sehr, diesen einen Moment, in dem man das Brennen anderer Menschen für ihren Beruf förmlich spürt, sodass die Funken ihrer Freude tatsächlich auf einen überspringen.

Endlich angekommen

Und weil dieser Moment und diese Energie so schön ist, bleiben wir auch beim Thema Berufung leben. Ich möchte von Kathlen wissen, was das Beste daran ist, endlich das zu tun, wofür sie brennt. Zum einen ist da jetzt ein starkes Warum: Kathlen möchte anderen Menschen dabei helfen, sich im großen Dschungel der chronischen Darmerkrankungen zurechtzufinden, mithilfe der passenden Ernährung Linderung zu erhalten und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Und zum anderen ist da jetzt die Wertschätzung, die sie von ihren Kund*innen – aber auch von sich selbst – bekommt, die in ihrem vorherigen Berufsleben gefehlt hat. 

“Früher habe ich immer für andere gearbeitet – für ein anderes Unternehmen. Ich habe mich aufgeopfert, in der Hoffnung, dass mir jemand irgendwie Zuneigung, Zuwendung, Applaus – was auch immer – schenkt. Und jetzt mache ich es einfach für mich. Und dabei weiß ich, was ich drauf habe. Da können andere mir Feedback in irgendwelchen Jahresgesprächen geben und sagen: ‘Du musst aber noch ein bisschen mehr …!’ – Nein, ich muss gar nichts! Ich bin einfach gut so, wie ich bin. Das bestätigt mich noch mehr, den richtigen Schritt gegangen zu sein.”

Gibt es schönere Worte, um seine eigene berufliche Situation zu beschreiben und auch, um dieses Interview zu beenden? – Wohl kaum! Denn genau das wünschen wir uns doch insgeheim alle: Bei uns ankommen und zufrieden zu sein und die Gewissheit zu haben, den (für uns) richtigen beruflichen Weg eingeschlagen zu haben.


Mehr von Kathlen erfahrt ihr auf ihrer Webseite und auf Instagram. Dort teilt sie auch täglich tolle Tipps und Tricks zum Thema gesunde Ernährung und Darmgesundheit. Schaut doch einfach mal vorbei!

© Photos by Claudia Drechsler. Thank you!